Lernwirksamer Unterricht wird ermöglicht durch konstruktives Feedback
„Ohne Feedback keine Veränderung, keine Entwicklung, kein Wachstum.“
(Buhren 2015, 29)
Im Zusammenhang mit lernwirksamem Unterricht kommt eine Lehrkraft am Begriff des Feedbacks nicht vorbei. Lernwirksamer Unterricht sollte häufiges und qualitativ hochwertiges Feedback, welches auf das Lernziel ausgerichtet sowie zeitnah und differenziert ist, enthalten.
Doch woher genau kommt die Fokussierung auf Feedback als zentralen Bestandteil des Unterrichts? Was ist unter dem Begriff „Feedback“ zu verstehen? Und wie und mit welchem Ziel wird es eingesetzt?
Hattie benennt Feedback als eines der meistverbreiteten Merkmale guten Unterrichts und erfolgreichen Lernens. Für Feedback im Unterricht ermittelt Hattie in seiner Metaanalyse eine Effektstärke von 0,75. Diese gibt an, dass Feedback eine sehr große Bedeutung für den Lernzuwachs der Schülerinnen und Schüler hat (Hattie 2014).
Die Effektstärken verschiedener Feedback-Arten können auf der Seite https://web.fhnw.ch/plattformen/hattie-wiki/begriffe/Kategorie:Faktoren betrachtet werden.
Ganz allgemein betrachtet ist Feedback zunächst die Rückmeldung von Informationen im Rahmen eines Kommunikationsprozesses, in dem es um das reziproke Verhältnis von Ursache und Wirkung geht (Maitzen 2017, 8). Weitergeführt in den pädagogischen Kontext wird Feedback als „Lehrerrückmeldung in Bezug auf die schulische Leistung eines Schülers“ (Brookhart 2010, 7) verstanden. Feedback verfolgt dabei das Ziel „die Lücke zwischen dem, wo die Schülerin oder Schüler „ist“, und dem, wo sie oder er „sein soll“, zu verkleinern“ (Hattie 2014, 131). Transparent muss sein, wo sich die Lernenden befinden (IST-Stand) und wo sie hinsollen (SOLL-Stand) – das gilt für Lehrkraft und Lernende, denn nur so können die Schülerinnen und Schüler unterstützt werden sich zum Lernerfolg hinzubewegen. Eine wichtige Komponente des Feedbacks sind dabei Fehler. Zentrale Annahme Hatties ist, dass Feedback von Fehlern profitiert. Diese sind nicht nur lernschwachen Schülerinnen und Schülern, sondern allen Lernenden vorbehalten, denn „Fehler eröffnen Chancen“ (Hattie 2014, 131).
Feedback kann durch verschiedene Arten gegeben werden, wie beispielsweise affektive Prozesse, verstärkte Anstrengung, Motivierung, Umstrukturierung des Verständnisses, Bestätigung, dass die oder der Lernende richtig oder falsch liegt, Hinweise, dass mehr Informationen notwendig sind oder dem Aufzeigen alternativer Strategien (Hattie 2014, 131). Diese Aufzählung verdeutlicht den Fokus des Feedbacks auf den Lernprozess.
Feedback ist also immer Teil der formativen Leistungsrückmeldung. Feedback sollte nie nur eine finale Beurteilung (was der summativen Leistungsbeurteilung entspräche) sein, sondern es geht vielmehr darum den Lernprozess als einen Prozess des Lernens, aber auch des Korrigierens und Beratens zu verstehen, sodass das nachfolgende Lernen davon profitiert (Winter 2016, 9). Hierbei stehen neben den kognitiven Aspekten des Lernens auch die motivationalen Aspekte im Zentrum. Die Lernenden erhalten durch formative Leistungsrückmeldung das Gefühl, dass sie die Kontrolle über ihr eigenes Lernen haben (Brookhart 2010, 7).
John Hattie strukturiert den formativen Prozess der Leistungsbeurteilung anhand dreier Feedback-Fragen (2014, 132ff.).
| Feedup | Feedback | Feedforward |
|---|---|---|
| Wohin gehe ich? | Wie komme ich dorthin? | Wohin geht es als Nächstes? |
| Die Lehrkraft kennt die Ziele der Unterrichtsstunde und kann die Bedeutung der Lernintentionen und Erfolgskriterien für die Lernenden herausstellen. | Hier wird schnelles formatives Feedback gegeben und zwar im Bezug auf die Erfolgskriterien. Es erfolgt kein sozialer Vergleich. | Ziel ist die Auswahl der nächsten angemessenen Herausforderungen und Lernende selbst zu befähigen diese auszuwählen. |
Bei der formativen Leistungsbeurteilung kann die Lehrkraft anhand folgender exemplarischer Fragen ein Feedback geben (Winter 2016, 9):
- Was ist schon erreicht und was noch nicht?
- Wie ist der Schüler/in vorgegangen?
- Welche Qualitäten und Konzepte sind in der Arbeit erkennbar?
- Wo und wie kann ein vorliegendes Produkt noch verbessert werden?
- Welche Lernstrategien führen vielleicht (auch) zu einer Aufgabenlösung?
- Welche Informationen fehlen und wie können sie beschafft werden?
- Wo wurde etwas falsch gedacht oder gemacht?
Lehrkräfte verfolgen mit der formativen Leistungsbeurteilung das Ziel einer größtmögliche Veränderung im Lernprozess zu bewirken, daher ist es entscheidend, wie Feedback formuliert und gegeben wird (Brookhart 2010):
| Klarheit | Konkretheit | Haltung und Wortwahl | Zeitpunkt |
|---|---|---|---|
| Je gelungener die Klarheit, desto höher ist die Chance, dass die Lernenden das Feedback verstehen. | Es werden Vorschläge gemacht, die so konkret sind, dass der Lernende weiterarbeiten kann ohne ihm dabei die Arbeit „zu machen“. | Die Lehrkraft vermittelt den Lernenden, dass sie als Lernende respektiert sind und in die Rolle des Handelnden versetzt werden. | Das Feedback erfolgt solange der Lernende in Gedanken noch beim Lernziel ist und Zeit hat, es in seiner Aufgabe umzusetzen. |
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All diese Ausführungen und Kriterien zeigen die Wichtigkeit von Feedback für einen gelingenden Lernprozess. Eine nicht zu vernachlässigende Komponente wurde bisher jedoch nicht beleuchtet: die Akzeptanz von Feedback. Das Geben und das Annehmen von Feedback (auf Seiten der Lehrkraft sowie der Lernenden), was beides gleich wichtig ist, muss geübt werden und zu einer Lernkultur im Klassenzimmer werden. Erst im nächsten Schritt geht es um die Umsetzung von Feedback (Beispielmethode Feedback-Burger), wobei hier die Lehrkraft exemplarisch agieren muss und Rückmeldungen Bestandteil der Unterrichtspraxis sein sollten (Wilkening 2016, 35ff.). Feedback - das Geben, das Annehmen und das Umsetzen - muss somit als Feedbackkultur gelebt werden.
Feedback-Geber-Nehmer-Konstellationen
Die unterschiedlichen Nehmer-Geber-Konstellationen werden immer am Beispiel der Feedback-Methode Zielscheibe erläutert.
Der Feedback-Burger ist ein Beispiel für eine Feedback-Methode unter Schülerinnen und Schülern.
Was ist der Feedback-Burger?
Der Feedback-Burger erfüllt mit hohem Aufforderungscharakter für die Schülerinnen und Schüler, aus deren unmittelbarer Lebenswelt gegriffen, individualisierbar, klar strukturiert sowie leicht verständlich, die vier Kriterien nach Brookhart 2010, um eine effektive Rückmeldung im Sinne der formativen Leistungsbeurteilung zu formulieren und zu geben.
Der Feedback-Burger ist eine schnell und einfach umzusetzende Feedback-Methode, die eine ausgewogene und motivierende Mischung aus Lob und Wertschätzung und konstruktiver Kritik mit sachlichen, spezifischen Verbesserungsvorschlägen bietet, an dessen Ende klare Ziele definiert werden.
Der Feedback-Burger ist demnach alles andere als „Fastfood“ im Vorbeigehen, das schwer verdaulich ist, sondern ein „nahrhaftes Gericht“ mit besten Zutaten, fein gewürzt und achtsam serviert.
Der Feedback-Prozess
(5) Überreichen an Mitschülerin oder Mitschüler (Übergabe)
(4) Schließe mit einem Lob/Anerkennung zur Person ab. (Brötchendeckel)
(3) Wie könnte es sich verbessern? (konkrete Tipps, Verbesserungsvorschläge) (Tomate, Salat)
(2) Was könnte sich verbessern? (Konstruktive Kritik) (Patty)
(1) Starte mit einem Lob/Anerkennung: z.B. über bisher erbrachte Leistungen, Bemühungen im Arbeitsprozess oder über Teile des Arbeitsergebnisses. (Brötchenboden)
Bestandteile des Feedback-Burgers – die Zutaten im Überblick
1. Brötchenboden
Mit der unteren Brötchenhälfte startet das Feedback mit einem positiven Aspekt. Es wird Lob/Anerkennung über die bisherigen Bemühungen, über die erbrachten Leistungen, über bereits Gelungenes im aktuellen Arbeitsprozess bzw. zu Teilen des Arbeitsergebnisses gegeben. Dies öffnet das Gegenüber für weitere Rückmeldungen und gewährleistet eine positive Grundhaltung im Verlauf der formativen Leistungsbeurteilung, das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler wird gestärkt und ihre Arbeitsmotivation wird gefördert.
Formulierungshilfen:
„Mir gefällt…“ „Ich finde gut…“ „…ist dir gut gelungen“ „Ich schätze deine/dein…“
2. Patty
Hier geht es darum, konstruktive Kritik zu üben und zwar so, dass diese vom Gegenüber angenommen werden sowie als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung gesehen werden kann. Wichtig dabei ist, sachlich sowohl in der Haltung als auch in der Formulierung zu sein – Kritik an der Person gilt es absolut zu vermeiden!
Als Ich-Botschaft formuliert wird Kritik anhand der folgenden W-Frage konkretisiert.
Was habe ich wahrgenommen? Was könnte sich verbessern?
Formulierungshilfen:
„Mir ist aufgefallen, dass…“ „Ich habe bemerkt, dass…“ “„Ich habe beobachtet, dass…“ „Ich habe entdeckt, dass…“
3. Tomate, Salat
Diese Zutaten symbolisieren die lösungs- bzw. zielorientierten, konkreten Verbesserungsvorschläge und Ideen. „Käse, Tomaten, Salat“ geben Antwort auf die Frage: „Wie könnte es sich verbessern?“
Formulierungshilfen:
„Es ist hilfreich, wenn…“ „Versuche das nächste Mal…“ “„Ein guter/besserer Weg…“ „Von Vorteil ist…“ „Nützlich ist…“ „Leichter fällt es dir, wenn…“
4. Brötchendeckel
Qualitativ hochwertige konstruktive Kritik sowie griffige und passende Verbesserungsvorschläge zu geben ist sehr wichtig, aber es ist genauso entscheidend, wie man das Feedback abschließt. Mit einem Lob/Anerkennung zur Person und/oder zu persönlichen Fähigkeiten/Fertigkeiten wird ein positiver Ausblick/Wertschätzung der Schülerin/dem Schüler gegenüber aufgezeigt. Sie/er wird ermutigt/bestärkt und kann die Arbeitsmotivation, die Fokussierung sowie das Durchhaltevermögen steigern.
Der letzte Eindruck bleibt oft am längsten haften!
Formulierungshilfen:
„Ich bin zuversichtlich, dass…“ „Ich freue mich auf/ich bin gespannt auf deine weiternen Beiträge/Ergebnisse…“ “„Für die Klasse/für den Unterricht sind deine Stärken sehr wichtig…“ „Du bereicherst mit…“
5. Fazit
Der Feedback-Burger signalisiert durch die Einrahmung der konstruktiven Kritik und der konkreten Verbesserungsvorschläge durch die beiden Schichten aus Lob, Anerkennung und Wertschätzung, dass die Gesamtsituation betrachtet wurde und nicht nur das „Negative“ bzw. die Kritik zählt.
Der Feedback-Burger lässt sich schnell und leicht auf der rein verbalen Ebene umsetzen, zu empfehlen ist aber die unterstützende Visualisierung mit einem ansprechenden Design. Hierbei können Ausdrucke (Hamburgerschachtel) und beschriftbares Legematerial (Brötchenhälften, Patty, Tomate, Salat) verwendet werden. Geben sich die Schülerinnen und Schüler untereinander Feedback, ist es zudem sehr hilfreich, ihnen Formulierungshilfen anzubieten.
Das Material kann äußerst vielfältig eingesetzt werden. In jeder Situation, in der die Lehrkraft oder die Schülerinnen und Schüler Rückmeldung geben. Im laufenden Lernprozess, bei Präsentationen, bei der Vorstellung von Arbeitsergebnissen oder Zwischenergebnissen u.ä.
Eingeübt und kontinuierlich angewendet, kann diese Feedback-Methode zu einer wertschätzenden Feedback-Kultur in der Klasse und im Unterricht wesentlich beitragen.
Beywl, W. (Hrsg.) (2024): Lernen sichtbar machen-Wiki. Online: www.lernensichtbarmachen.net [07.06.2024].
Brookhart, S. (2010): Wie sag ich’s meinem Schüler. Weinheim: Beltz.
Buhren, C. (2015): Handbuch Feedback in der Schule. Weinheim: Beltz.
Hattie, J. (2014): Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Baltmannsweiler: Schneider Verlag.
Maitzen, C. (2017): Feedback-Kultur in der Schule. Das Praxisbuch. Augsburg: Auer.
Wilkening, M. (2016): Praxisbuch Feedback im Unterricht. Weinheim: Beltz.
Winter, F. (2016): Formative Leistungsbeurteilung – wie geht das? URL: www.schulentwicklung.nrw.de/materialdatenbank/material/view/5403, zuletzt aufgerufen am 09.10.2024.
Zielscheibe (Vorschau): Vorlage
Schüler-Schüler Feedback: Arbeitsblätter zum Feedback-Burger
Plakat "Feedback-Burger (Vorschau): Plakat "Feedback-Burger"
Brötchenboden (Vorschau): Arbeitsblatt
Patty (Vorschau): Arbeitsblatt
Salat (Vorschau): Arbeitsblatt
Tomate (Vorschau): Arbeitsblatt
Brötchendeckel (Vorschau): Arbeitsblatt
Schachtel (Vorschau): Arbeitsblatt