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Fallbeispiel Natur und Technik Mittelschule

Der naturwissenschaftliche Erkenntnisweg ist ein systematischer Prozess, der es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, Wissen zu erwerben und wissenschaftliches Denken und Strategien zu entwickeln. Mit Hilfe von z. B. Experimenten versuchen die Lernenden Alltagsprobleme oder Phänomene zu verstehen und zu erklären.

 

Ziele des naturwissenschaftlichen Erkenntnisweges

  • nachhaltiges Lernen durch praktisches Arbeiten in konkreten Situationen
  • Einsatz persönlicher Stärken, die sich in weniger praktisch orientierten Fächern nicht zeigen können
  • Förderung der Motivation durch spannende Experimente

 

Ziele der Hinführung

  • Motivation für die Lerninhalte
  • Erwecken des Entdeckergeistes
  • Konfrontation mit einem Phänomen
  • Anknüpfen an das Vorwissen der Lernenden

 

Ziele der naturwissenschaftlichen Fragestellung

  • Eingrenzen der Problemstellung
  • Zielgerichtetes Formulieren einer überprüfbaren Frage, die im Rahmen des Unterrichts beantwortet werden soll 
  • Sammeln von Hypothesen / Vermutungen zur Antwort auf die Fragestellung

     

 

Ziele der Erkenntnisgewinnung

  • Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen (Experiment, Versuch, Untersuchung, Beobachtung, …) zur  Beantwortung der Fragestellung
  • Förderung des kritischen, logischen Denkens und der Entdeckung kausaler Zusammenhänge
  • Steigerung von Interesse und Motivation

     

 

Ziele der Erkenntnissicherung

  • Erlernen von Techniken zum Auswerten und zur Erklärung der Ergebnisse
  • Dokumentieren der Ergebnisse
  • Zusammenfassung und Formulieren einer Kernaussage
  • Überprüfung der formulierten Hypothesen

     

 

Ziele der Bewertung & Reflexion

  • Rückschau auf den Lernweg
  • Übertragung auf den Alltag und Transfer auf ähnliche Phänomene
  • Verbalisierung des Gelernten

 

Abbildung Folie 1-2: © ISB

Abbildung Folie 3-7: © ALP Dillingen

Der Versuch „Verbrennung von Eisenwolle“ ist ein klassisches Experiment, bei dem die Lernenden den Verbrennungsvorgang genauer untersuchen können (NT7 2.1 Oxidation). Entgegen der Alltagsvorstellung Verbrennung = Zerstörung/Vernichtung zeigt sich hier, dass bei der Oxidation von Eisen dessen Masse zunimmt und ein neuer Stoff mit neuen Eigenschaften entsteht. Durch die Klärung des Phänomens sollen die Schülerinnen und Schüler wichtige Begriffe (Atom, Molekül, Element, Oxidation, Oxid) begreifen und einordnen können. Für die Phasen Erkenntnisgewinnung und Erkenntnissicherung werden zwei methodische Vorgehensweisen, klassich und digital, gegenüber gestellt. 

  • Zur Hinführung demonstriert die Lehrkraft einen Versuch: Es wird Eisenwolle verbrannt und die Eigenschaften von Edukt (Eisenwolle) und Produkt (Eisenoxid) werden verglichen.
  • Die naturwissenschaftliche Fragestellung könnte lauten: Wie kommt die Veränderung der Eigenschaften von Eisenoxid zustande? Vermutungen werden gesammelt.

Durchführung der “Verbrennung von Eisenwolle”: Die Massenzunahme wird als klassisches Experiment (links) mit einer Balkenwaage oder digitalen Waage bestimmt. Als alternative Umsetzung ist das digitale interaktive Experiment (rechts) der Seite Chemie interaktiv der Bergischen Universität Wuppertal gegenübergestellt. Das digitale Experiment soll das klassische nicht ersetzen, es bietet aber als Ergänzung einen Erkenntniszugewinn durch die hervorragende Visualisierung und Veranschaulichung der atomaren Strukturen.

Klassisches Experiment

Digitale Animation

Eisenwolle wird auf eine Digitalwaage (oder Balkenwaage) gegeben und die Anfangsmasse notiert.

Die digitale Anwendung wird gestartet, die Versuchsdarstellung besprochen.

Was passiert beim Entzünden der Eisenwolle? Hypothesen werden notiert.

Was passiert beim Entzünden der Eisenwolle? Hypothesen werden notiert.

Beobachtung: Die Masse der Eisenwolle nimmt beim Durchglühen zu.

Beobachtung: Die Masse der Eisenwolle nimmt beim Durchglühen zu. Der Versuch kann gestoppt und wieder zurückgespult werden.

Am Ende des Versuchs ist die Eisenwolle ausgeglüht. Eine deutliche Massenzunahme ist feststellbar.

Am Ende der Animation wird eine Massenzunahme angezeigt.

Bei beiden Versuchsformen ist die Erkenntnis, die Massenzunahme der Eisenwolle beim Verbrennen, deutlich zu erkennen. Der digitale Versuch kann beliebig oft einfach wiederholt werden. Die Visualisierung ist gut. Der wesentliche Vorteil des realen Versuchs sind die sinnlichen Eindrücke (riechen, hören, sehen und fühlen), die die Lernenden erfahren. Außerdem kann das verbrannte Produkt mit der unverbrannten Eisenwolle auch haptisch verglichen werden. 

Woher kommt die Massenzunahme der Eisenwolle beim Verbrennen? Das Ergebnis des Versuchs wird mit den gesammelten Hypothesen (Veränderung der Stoffeigenschaften) verglichen. Mit Hilfe des Teilchenmodells wird dargestellt, wie die Sauerstoffmoleküle in der Luft mit den Eisenatomen zu dem neuen Stoff Eisenoxid reagieren. Weil hier etwas neu dazugekommen ist, ist dieser Stoff schwerer geworden. Links ist das Teilchenmodell mit Knetmasse dargestellt, rechts als digitale Animation.

Darstellung mit Knete

Digitale Animation

Auf die Waage werden Eisenatome (blau) aus Knete gelegt. Die Bestandteile der Luft, Sauerstoffmoleküle O2 (rot) und Stickstoffmoleküle N2 (grün), liegen daneben.

 

Mit einem Klick kann bei der digitalen Animation auf die molekulare Ebene geschaut werden. Die Eisenatome (grau) werden von O2 (rot) und N2 (grün) aus der Luft umschwirrt.

Spielerisch entdecken die Schülerinnen und Schüler, dass die Sauerstoffteilchen auf die Eisenteilchen gelegt zu einer Massenzunahme führen. Die Stickstoffteilchen reagieren nicht.

In der Animation ist schön zu erkennen, dass sich die roten Sauerstoffteilchen mit den grauen Eisenteilchen verbinden und es somit zu einer Massenzunahme kommt. 

Aus den Knetekügelchen wird schließlich das Reaktionsprodukt, hier Eisen(III)-Oxid Fe2O3, zusammengesetzt.

In der Animation sind Edukte und Produkte tabellarisch angeordnet. In diesem Fall ist das Reaktionsprodukt Eisen(II)-Oxid FeO dargestellt.

  • Bei der Darstellung mit Knete legen die Lernenden die Kügelchen auf die Waage und erfahren so (allerdings nicht quantitativ) die Massenzunahme bei der Oxidation. Zur Durchführung müssen wenigstens 10-20 Minuten Zeit eingeplant werden.
  • Die Versuchsauswertung erfolgt bei der digitalen Animation optisch gut dargestellt, eindeutig, schnell und wiederholbar. Der Zusammenhang mit der Flamme kann aufgezeigt werden. Die Rolle der Schülerinnen und Schüler ist hier auf das Beobachten und Verbalisieren beschränkt.
     

Beim naturwissenschaftlichen Erkenntnisweg bieten sich im naturwissenschaftlichen Unterricht diese Formen an:

  • Schülerversuch / Lernende experimentieren
  • Lehrerdemonstrationsversuch
  • Digitale Animation

Welche Formen sind sinnvoll?

  • Der Schülerversuch fördert die Motivation und Neugier der Lernenden für die Naturwissenschaften. Die Schülerinnen und Schüler nehmen beim Experimentieren im Unterricht eine aktive Rolle ein und sie können ihre praktische Erfahrung mit der Theorie verknüpfen. Der Schülerversuch ist daher im jeden Fall zu bevorzugen, wenn es die Rahmenbedingungen denn zulassen.
  • Analoge und digitale Versuche schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.
  • Die Originalbegegnung sollte, wann immer möglich, durchgeführt werden.
  • Nicht sichtbare Vorgänge können durch digitale Tools anschaulich visualisiert werden und unterstützen die Lernenden beim Entwickeln abstrakter Vorstellungen.