Lernwirksamer Unterricht wird ermöglicht durch Rituale und Rhythmisierung
In der Pädagogik wird oft betont, wie wichtig es sei, den Unterricht nicht nur informativ, sondern auch strukturiert und stabil zu gestalten. Zwei wesentliche Werkzeuge, um dies zu erreichen, sind Rhythmisierung und Rituale. Diese Elemente können nicht nur den Lernprozess unterstützen, sondern geben den Schülerinnen und Schülern auch Sicherheit und Orientierung. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, wie durch den Einsatz von Rhythmisierung und Ritualen der Ablauf eines Unterrichtstages so gestaltet werden kann, dass er für Schülerinnen und Schüler vorhersehbar ist und sowohl Phasen der Konzentration und Anspannung als auch der Ruhe und Entspannung enthält.
Nachfolgend werden konkrete Beispiele für Rhythmisierung im Unterricht sowie wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit vorgestellt.
Rhythmisierung im Unterricht bedeutet, den Lernprozess durch regelmäßige, wiederkehrende Abläufe zu strukturieren. Diese können den Tagesablauf, den Wochenablauf aber auch längere Zeiträume bestimmen. Rhythmisierung hilft den Schülerinnen und Schülern, sich besser zu orientieren und sich auf die jeweiligen Phasen des Unterrichts einzustellen.
Ein festgelegter Tagesablauf hilft den Lernenden, sich auf die verschiedenen Unterrichtsphasen vorzubereiten.
Beispiel für einen rhythmisierten Tag:
- Vor der ersten Unterrichtseinheit: Begrüßung und Morgenkreis
- Unterrichtseinheit
- Bewegungspause, Entspannungs- oder Achtsamkeitsübungen
- Unterrichtseinheit
- Pause
- Unterrichtseinheit
- Bewegungspause, Entspannungs- oder Achtsamkeitsübungen
- Unterrichtseinheit
- Tagesabschluss
Auch ein wöchentlich wiederkehrender Rhythmus gibt Struktur.
Moderne Ansätze beschreiben wiederkehrende, motivierende Aktionen an einem festgelegten Wochentag: So können z. B. die ersten zwei Stunden am Montag grundsätzlich als „Ankommensphase in die neue Woche“ genutzt werden indem verschiedene, von den Schülerinnen und Schülern wählbare Angebote gemacht werden. Diese könnten thematisch zu neuen Unterrichtseinheiten hinführen oder auch beispielsweise im Bereich Teambuilding angesiedelt sein. Eine derart gestaltete Ankommensphase kann sich sowohl auf eine Klassengruppe beziehen als auch klassenübergreifend geplant werden. Dadurch wäre wertvolles klassenübergreifendes Kennenlernen und gemeinsames Arbeiten an diversen Thematiken möglich.
Die Einführung eines festen Zeitraums für Projektarbeit, z. B. am Freitag, kann den Schülerinnen und Schülern helfen, sich besser auf ihre Projekte zu konzentrieren und langfristig intensiv und kollaborativ daran zu arbeiten. Durch wöchentlich wiederkehrende Zeiträume, die für diese Form der Arbeit reserviert sind, lernen die Schülerinnen und Schüler ihre verfügbare Arbeitszeit besser einzuteilen, vorhandene Ressourcen intensiver zu nutzen und sich auf langfristige Ziele zu konzentrieren. Zudem fördert es die Teamarbeit und das eigenständige Lernen. Mögliche Projekte in diesem Rahmen können, vor allem in den höheren Jahrgangstufen, auch die Berufsorientierung mit einbeziehen.
Eine Studie von Kounin (1970) zeigt, dass eine klare Struktur im Unterricht, die durch Rhythmisierung erreicht werden kann, das Klassenmanagement verbessert und die Aufmerksamkeit der Lernenden erhöht. Schülerinnen und Schüler, die in einem strukturierten Umfeld lernen, zeigen weniger Verhaltensprobleme und sind konzentrierter. Eine Studie von Blumenfeld et al. (1991) zeigt, dass regelmäßige Projektarbeit die Motivation und das Engagement der Schülerinnen und Schüler erhöht. Durch die Rhythmisierung dieser Aktivitäten lernen sie, sich über längere Zeiträume hinweg auf ihre Aufgaben zu konzentrieren und entwickeln wichtige Fähigkeiten wie Zeitmanagement und Teamarbeit.
Rituale sind wirkungsvolle Werkzeuge, um den Schülerinnen und Schülern ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Durch regelmäßige, vorhersehbare Abläufe und feste Rituale können Lehrkräfte eine positive Lernumgebung schaffen, die den Lernerfolg fördert. Wissenschaftliche Studien unterstützen die Wirksamkeit dieser Methoden und zeigen, dass sie sowohl das Klassenmanagement als auch die Schülerleistung verbessern.
Die Forschung von Emmer und Stough (2001) unterstreicht die Bedeutung von Ritualen im Klassenzimmer. Rituale können dazu beitragen, eine positive Lernumgebung zu schaffen, indem sie den Schülerinnen und Schülern Sicherheit und Vorhersehbarkeit bieten. Dies kann besonders für Lernende mit besonderen Bedürfnissen oder solchen, die in instabilen häuslichen Umgebungen leben, von großem Vorteil sein. Die Forschung von Emmons und McCullough (2003) zeigt, dass das Augenmerk auf Dankbarkeit das Wohlbefinden und die Zufriedenheit steigern kann. Ein Dankbarkeitsritual im Klassenzimmer kann dazu beitragen, eine positive und unterstützende Lernumgebung zu schaffen, in der sich die Schülerinnen und Schüler sicher und wertgeschätzt fühlen.
Kounin, J. S. (1970). Discipline and group management in classrooms. New York: Holt, Rinehart & Winston.
Blumenfeld, P.C., et al. (1991) Motivating Project-Based Learning: Sustaining the Doing, Supporting the Learning. Educational Psychologist, 26, 369-398.
Emmer, Edmund T.; Stough, Laura M. (2001). Classroom Management: A Critical Part of Educational Psychology, With Implictions for Teacher Education. Educational Psychologist, 36, 103-112.
Emmons, R. A., & McCullough, M. E. (2003). Counting blessings versus burdens: An experimental investigation of gratitude and subjective well-being in daily life. Journal of Personality and Social Psychology, 84 (2), 377–389
Kounin, J.S., & Gump, P.V. (1974). Signal systems of lesson settings and the task-related behavior of preschool children. Journal of Educational Psychology, 66(4), 554-562.
Jensen, E. (2005). Teaching with the brain in mind, 2nd Edition. Alexandria, VA: Association for Supervision and Curriculum Development.