mobile Navigation Icon

Lernwirksam unterrichten an Förderschulen und Mittelschulen » Schülerorientierung » Erleben und Stärken der eigenen Kompetenz

Lernwirksamer Unterricht wird ermöglicht durch Erleben und Stärken der eigenen Kompetenz im schriftlichen, wertschätzenden Austausch

Lernwirksamer Unterricht entsteht dort, wo Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Fähigkeiten bewusst erleben und weiterentwickeln können. Wenn sie spüren, dass sie etwas können und dass ihre Worte Bedeutung haben, entsteht ein nachhaltiger Lernprozess. Sie entwickeln ein realistisches, positives Selbstbild – eine Grundlage, die weit über den Unterricht hinauswirkt. 

Ein besonders kraftvolles Instrument für das Erleben und Stärken der eigenen Kompetenz sind Dialog-Journale – schriftliche Austauschformate, in denen Lernende regelmäßig mit ihrer Lehrkraft in einen persönlichen, wertschätzenden Dialog treten. Dialog-Journale verbinden fachliches Lernen, Beziehungsgestaltung und Persönlichkeitsentwicklung. 

Was sind Dialog-Journale?

Dialogjournale sind Hefte, in denen Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum hinweg in schriftlichem Austausch mit einer Lehrkraft stehen. Der Dialog ähnelt einem Briefwechsel, folgt jedoch keinen formellen Regeln. Neben der Schriftsprache können auch andere Ausdrucksformen wie Zeichnungen oder Symbole genutzt werden. Die Inhalte der Einträge reichen von alltäglichen Gesprächen bis hin zu sehr persönlichen und tiefgehenden Themen. Da nur die beteiligte Lehrkraft Zugang zu den Heften hat, bieten Dialogjournale einen geschützten und vertrauensvollen Raum für den Austausch von auch sensiblen und persönlichen Informationen.

„Ein Dialog-Journal ist eine für alle Beteiligten motivierende Methode zur Unterstützung der Entwicklung von Lese- und Schreibkompetenzen. [...] Ein Begleiter auf Zeit durch eine Phase bedeutsamen Lernens.“
(Oelze et al. 2016, 83)

Der Fokus liegt dabei nicht auf der Fehlerkorrektur, sondern auf dem sprachlichen Vorbild der Lehrkraft. Durch gezielte Modellierung bestimmter sprachlicher Zielstrukturen wird die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf korrekte und angemessene Sprachverwendung gelenkt, um den Schriftspracherwerb nachhaltig zu fördern und zu verbessern (Schlenker-Schulte / Wagner 2014) und (Oelze et al. 2016).

Ziele von Dialog-Journalen

Die Methode der Dialog-Journale wirkt sich ganzheitlich positiv auf den Unterricht in mehreren hier vorgestellten Kontexten aus (Oelze et al. 2016).
 

  • Die Lehrkraft eröffnet  das Dialog-Journal mit Fragen und aktuellen Themen.
  • Sie agiert als sprachliches Modell und gibt auf die Antworten der Schülerinnen und Schülern passende Rückmeldungen und Rückfragen. Das Schreiben und Antworten im Dialog-Journal soll Freude und Motivation bereiten.
  • Das Besondere ist, dass sich die Lehrkraft auf die kommunikativen Kompetenzen der Kinder einstellt und nach Schlenker-Schulte (2005, S. 239) als „Gerüstbauer“ agiert, indem sie sprachlich sinnvolle und verständliche Sätze modelliert und die Kinder individuell auf ihrem jeweiligen sprachlichen Entwicklungsstand abholt.
  • Während in der mündlichen Sprache bestimmte Zielstrukturen betont werden, wird diese Art von Hervorhebung in Dialog-Journalen mithilfe von visuellen Markierungen (z. B. fett, größer, farbig) durchgeführt.
  • Diese Markierungen dienen nicht der Fehlerkennzeichnung, sondern heben speziell Zielstrukturen in den Äußerungen der Lehrkraft hervor, um die Aufmerksamkeit des Kindes darauf zu lenken und die Schriftsprache zu fördern und zu verbessern.
  • So können verschiedene Arten von Modellierungstechniken auch schriftlich und angepasst in den Dialog-Journalen angewendet werden.
  • https://www.lernwirksam-unterrichten.bayern.de/nachvollziehbarkeit-des-lernangebots/verstaendliche-sprache/

     
  • Anhand einer qualitativen Analyse der Schreibproben von Schülerinnen und Schülern kann eine individuelle, prozesshafte Diagnostik der Schreibkompetenz erfolgen.
  • Es lässt sich erkennen, in welcher Phase des Schriftspracherwerbs sich die Lernenden befinden sowie welche orthografischen Prinzipien und Schreibstrategien bereits sicher angewendet werden und welche noch fehlerhaft oder unsicher sind.
  • Auf Grundlage dieser Diagnose können gezielte individuelle Förderziele abgeleitet werden.
  • Dialog-Journale erweisen sich in diesem Zusammenhang als ein wertvolles Förderinstrument, da sie eine gezielte und prozessbegleitende Unterstützung der Schreibentwicklung ermöglichen.

     (Oelze et al., 2016)

  • In Dialog-Journalen treten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in einen schriftlichen Austausch über vertraute oder alltägliche Themen, die für die Lernenden eine hohe persönliche Bedeutung haben.
  • Dieser dialogische Schreibprozess kann die Bindung und Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern nachhaltig stärken, da sie sich über den Unterricht hinaus kennenlernen.
  • Die Lernenden erfahren Anerkennung und Wertschätzung, indem sie als gleichwertige Dialogpartner ernst genommen werden und die Kommunikation auf Augenhöhe erfolgt.
  • Der Fokus liegt nicht auf der Korrektur von Fehlern, sondern auf dem inhaltlichen Austausch, wodurch die Schülerinnen und Schüler die schriftliche Kommunikation als positiv und motivierend erleben.
  • Infolgedessen können die persönlich bedeutsamen Dialoge als besonderer Ausgangspunkt für individuelle Lern- und Entwicklungsprozesse dienen.
     

    (Oelze et al., 2016)

Folien “Dialog-Journale” als pdf zum Download

  • Dialog-Journale wurden in den USA 1960 als “Dialogue Journals” verwendet. Lehrkräfte kommunizierten mit ihren Schülerinnen und Schülern und lernten so die Kinder besser kennen und beobachteten gleichzeitig die schriftsprachlichen Kompetenzen.
  • Durch John Albertini kamen die Dialog-Journale nach Deutschland.
  • An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nutzte 1990 der Fachbereich Sprachheilpädagogik die Dialog-Journale als Möglichkeit zur Förderung der schriftsprachlichen Kompetenzen.
  • Es zeigte sich, dass sich diese Methode ganzheitlich positiv auf den Unterricht in mehreren Kontexten auswirkte (Oelze et al. 2016).

Dannenbauer, F. - M. (2002): Grammatik. ln: S . Baumgartner; I. Fossenich (Hrsg.). Sprachtherapie mit Kindern. Grundlagen und Verfahren. München: Reinhardt, 105-161.

Eisen, N. (2025): Mein Erzählheft - Sprachheilpädagogische Förderung von Schreibmotivation und schriftsprachlichen Fähigkeiten mit Dialog-Journalen. In: Praxis Sprache, 2, 2024, 198-205.

Oelze, V. / Schlenker-Schulte, C. / Thielbein, A. / Wagner , S. (2016): Dialog-Journale schreiben mit Schülerinnen und Schülern der ältesten Sprachheilschule Deutschlands. In: Praxis Sprache, 2, 2016, 85-89.

Oelze, V. / Schlenker-Schulte,  C. / Wagner, S. (2016): Dialog-Journale als Möglichkeit zur Schriftsprach-Diagnostik und -Förderung in heterogenen Lerngruppen. In: Praxis Sprache, 2, 2016, 77-83.

Schlenker-Schulte, C . (2005): Faszination Dialog. lnteraktional- kommunikatives (Sprach-) Lernen mit Dialog-Journalen. in: Kaul, T.; Jann, P. (Hrsg.): Kommunikation und Behinderung. Festschrift für Heribert Jussen. (S. 229- 245) Villingen-Schwenningen: Neckar.

Schlenker-Schulte, C. / Wagner, S. (2014): Sprach-, Lese- und Schreibförderung mit Dialog Journalen. In: S. Sallat; M. Spreer; C.W. Glück (Hrsg.): Sprache professionell fördern. kompetent - vernetzt - innovativ. Idstein: Schulz-Kirchner, 129-133.

https://www.dialog-journale.de/